Mit einen Bus und zwei Kindern in dreieinhalb Wochen an der Nordküste Spaniens entlang

Autoren: Martin + Kati B.

wann: 25.08. - 20.09.2013
wer mit wem: Martin, Kati, Nina & Mascha
  Ford Nugget
wie viel: ca. 3500 km
   

25.08-28.08. Dresden - Barcelona

Martin fährt sonntags mit unserem Bus schon mal los. Wir Mädels fliegen am Dienstag von Dresden direkt nach Barcelona. Martin versucht auf seiner Anreise ca. 50km vor Barcelona einen schönen Zeltplatz zu finden, auf dem wir die ersten zwei Tage Urlaub üben können. Leider scheint das nicht ganz so einfach zu sein, alles zugebaut, kein Meer in Sicht o. ä. Also wird es dann der „3Estrellas“, fast gleich neben dem Flughafen. Es ist laut und teuer (40€ pro Nacht) hier, aber ok. Meer in 200m und nicht mehr so voll. Nina kann schon fast schwimmen und Mascha scheint ein ähnliches Wasserkälteempfinden wie ich zu haben. Badetemperatur bei 26 Grad.
Nina hat ein Taschenmesser bekommen und schneidet sich auch bald nach den ersten Schnitzereien. Nuja

29.8.

Heute geht es bei leichtem Regen und 26 Grad weiter in Richtung Pyrenäen zur schönsten Schlucht Europas. Na da sind wir ja mal gespannt...

30.8. La Pobla de Segur

Kleiner Zeltplatz am Fluss - wie verwunschen. Schwimmbad eiskalt aber trotzdem genutzt, Bar mit lecker Cortado und Eis, entspanntem Zeltplatzwart, der sehr gut englisch kann und Berge ringsum. Heute Wanderung ins Dorf am Fluss entlang. Die 2km zogen sich ein wenig, aber Möhrenpicknick am Fluss und Brombeeren am Weg entschädigen. Im Dorf kleiner Imbiss, einkaufen und wieder zurück. Mascha schläft gleich in der Kraxe ein und Nina brauch ein wenig Motivation, um weiter zu laufen. Als Zielprämie gibt es für die Mädels eine Cola und für Martin ein frisch Gezapftes. Noch eine Schwimmlerneinheit für Nina, Abkühlung für die Anderen und der Tag neigt sich erschöpft dem Ende zu.
Plan für morgen: ca. 3h fahren, Nationalpark Ordesa

31.8. Camping Pineta, Ordesa Nationalpark

Die Fahrt von La Pobla del Segur nach Pineta war landschaftlich ziemlich beeindruckend. Kleine Serpentinenstraßen durch tief eingeschnittene Täler und ringsherum Hochgebirgsgipfel mit Gletschern. Die Pyrenäen sind offenbar nicht nur ein kleines Mittelgebirge ;-).
Der Campingplatz ist eine Mischung aus Dauercampern und Bergurlaubern, ganz nett in einer tiefen Schlucht gelegen. Abends zwingt uns die Kälte in den Bus - bei 8 Grad hält man es draußen nicht mehr aus.
Morgen wollen wir eine kleine Wanderung am Monte Perdido machen.

01.09. Wanderung am Monte Perdido

Die Nacht war so kalt, dass wir Mascha aus dem Aufstelldach nach unten verfrachten mussten. Ohne richtigen Schlafsack funktioniert das eben nicht auf 1200m.
Die Wanderung an sich war schön und auch nicht zu anstrengend für die Kinder. Es gab viele Gletscher, Flüsse und Wasserfälle zu begucken und nach ca. 3h waren wir die 5km rum. Blöd war nur, dass die Ausschilderung der Wege nichts mit der Wanderkarte und die Karte auch nicht viel mit der Realität gemeinsam hatte. Da hätten wir anstelle der Zeltplatzkarte vielleicht doch noch mal am Infostand des Nationalparks nach einer richtigen Karte fragen sollen.
Am Ende der Wanderung wollten wir im Restaurant/Bar am Parkplatz noch was Kleines essen, sind dann aber auf Grund der Preise rückwärts wieder raus.
Danach sind wir wieder das ganze Tal bis nach Ainsa zurückgefahren und wollten uns einen schönen Platz am Stausee suchen. Die Warnschilder vor plötzlich steigendem Wasserstand (tatsächlich war die Erde überall feucht) und vor seltsamen Insekten hielten uns aber vom Wildcampen ab und so sind wir auf den nächsten Zeltplatz gefahren.
Abends gab es in der Zeltplatzkneipe noch was zu essen und zu trinken - auch nicht schlecht.

02.09. Nähe Pamplona

Heute früh haben wir nach dem Frühstück überlegt, kurz entschlossen nach Pamplona zu fahren. Da Martin erkältet ist und wieder Opfer eines Wespenangriffes war, bietet sich ein bisschen Stadtbesichtigung an.
Der einzige Zeltplatz bei Pamplona "Ezcaba" befindet sich ca. 10 km südlich der Stadt, von hier aus fährt der ÖPNV ins Zentrum. Das ist aber erst morgen dran. Heute fahren wir gemütlich auf den Zeltplatz, üben noch ein bisschen schwimmen und relaxen. Da Martin ja erkältet ist und nicht ins Wasser will, wird Nina mit Tarpstange und Spannriemen vom Beckenrand aus über Wasser gehalten.

03.09. Stadtbesichtigung Pamplona

Wir haben sicherlich nur einen kleinen Teil der Stadt gesehen, aber der war dafür sehr schön. Kleine Gässchen, kleine Geschäfte und tausend Bars, in denen die Schinken hingen :-)
Es ist leicht vorstellbar und doch suspekt, dass hier die Stiere entlang getrieben werden. Wir haben wieder viele Jacobsweggänger gesehen. Das ist schon irgendwie befremdlich...
Mit dem Taxi (9€) zurück zum Zeltplatz, da den Bus bekommen in unurlaubigen Stress ausgeartet wäre. Dafür gab es noch ein Tostado, Bier und Cafe con hielo in einer schönen Kneipe. Die gibt es hier übrigens zu Hauf. Und da drängt sich mir der Gedanke auf, ob sowas in Dresden nicht auch funktionieren würde, mit etwas Kleingeld und ein bisschen Unternehmergeist würd ich das mal probieren - später...


04.09. Santona

Die Kinder und auch wir schlafen wie die Weltmeister. Frühstück ist gegen 10. Da sind die Meisten schon abgereist. Nina schwimmt noch eine Runde und dann sind wir auch gegen 13 Uhr auf der Piste. Plan ist ein Zeltplatz an der Küste vor Santander zu finden. Zwischenstopp bei Decathlon, Schwimmring und ein Geburtstagsgeschenk für Mascha kaufen. Weiterfahrt über die Autobahn, mal mit bezahlen, mal ohne. Das System erschließt sich nicht. Aber egal.
Der angepeilte Zeltplatz liegt auf einem Hügel mit Meerblick hinter einer Mauer und keinem Strandzugang. Total super. Also weiterfahren und das halb 6 :-( Wir peilen einen Zeltplatz bei Santona an, ohne Schatten, staubiger Untergrund, Toiletten in Containern, Strand hinterm Zaun, aber direkter Zugang zum ca. 200m entfernten Meer. Noch schnell eine Sandburg gebaut, Wellen gehüpft, ein Lomo auf den Grill geworfen, von drei Mücken stechen lassen und das wars dann für heute.
Da es in den nächsten Tagen regnen soll, verschieben wir den Nationalpark Picos de Europa und schwenken auf Comillas um. Hier waren wir auch schon mal vor 10 Jahren, mal sehen ob der Zeltplatz und das Wetter sich verändert haben. Zumindest können wir die ein, zwei angesagten Regentage in der Stadt überbrücken und dann die Picos in Angriff nehmen. So der Plan ...

07.09. Abfahrt von Comillas nach Barreiros

Besichtigung der Höhle von Altamira. Für 3€ Eintritt wird sehr viel geboten, der Nachbau der Höhle mit Führung, Museum/ Ausstellung mit vielen Objekten zum Anfassen und Hören ist sehr interessant. So richtig viel geändert hat sich mit uns Menschen in den letzten 20000 Jahren nicht...
Der Zeltplatz in Comillas ist immer noch so schön wie vor 10 Jahren. Das Wetter leider auch genauso schlecht wie damals. Wir verbringen fast den ganzen Tag im Bus, weil es immer wieder regnet. Große Stadtbesichtigungen finden da natürlich nicht statt, wenigstens schaffen wir es auf den "witzigen" Friedhof in einem alten Kloster direkt über dem Meer. Den Plan mit den Picos können wir somit getrost vergessen.
Da der Wetterbericht für Galizien deutlich bessere Aussichten bietet, fahren wir heute einfach 300km weiter bis hinter Barreiros, wo wir einen schönen Umsonstplatz direkt am Meer finden. Das Wetter ist tatsächlich besser und die Gegend rau/interessant - also alles richtig gemacht?


08.09. Nähe Barreiros

Nach dem Frühstück beschließen wir einfach noch einen Tag hierzubleiben und liegen den ganzen Tag am Strand rum. Die Kinder buddeln im Sand, wir gehen ein paar Mal ins Meer und daddeln so vor uns hin. Richtig baden kann man wegen des kalten Wassers und der starken Wellen nicht, dafür können wir den Wellensurfern bei ihrem putzigen Treiben zuschauen ;-)

09.09. Canrino

Heute wollen wir uns ein Highlight aus dem Reiseführer, den nördlichsten Punkt von Spanien mit "atemberaubender Steilküste" und Wildpferden anschauen. Die Fahrt nach Cabo Ortegal ist landschaftlich sehr schön. Aufgrund der kleinen Straßen und der vielen Kurven schafft man aber kaum einen 40er Schnitt - zumindest mit dem Bus. Das wäre das richtige fürs Motorrad...
Am Cabo Ortegal erwartet uns dann eine Baustelle am Leuchtturm, die Steilküste ist irgendwie auch nicht anders als die anderen Steilküsten... Aber was solls. Der Leuchtturm war so spektakulär, dass wir nicht mal ein Foto davon gemacht haben. Ach ja und Wildpferde haben wir keine gesehen, die waren wir doch in einer anderen Bucht.
Dieser Teil von Spanien hat so gar nichts gemein mit dem typischen Bild welches man von Spanien hat. Hier sieht es eher wie Schweden aus und teilweise erinnert uns die Landschaft auch an Neuseeland.
Am Abend beziehen wir ein Lager bei Canrino, ein kleines Städtchen beim Cabo Ortegal. Wir stellen den Bus am Ortsausgang am Strand ab und laufen noch mal in die Stadt (die Kinder mit Fahrrad bzw. Laufrad). Viel zu sehen gibt es nicht, dafür gibt es schöne Spielplätze, die auch eifrig frequentiert werden. Irgendwie ist die halbe Stadt draußen, Alt und Jung sitzen herum, spaziert, joggt oder spielt Karten. Das ist so ganz anders als bei uns im verschlafenen Dresden/Striesen.


10.09. Weiterfahrt nach Santiago de Compostella

Wir wollen uns die Stadt angucken und nehmen einen Zeltplatz. Der Rest des Tages vergeht mit Duschen, Schwimmen üben und Sachen sortieren. Morgen laufen wir dann in die Stadt.

11.09. Santiago de Compostella

Vom Zeltplatz aus sind es nur 2km bis in das Stadtzentrum, es fährt auch der ÖPNV, aber wir laufen lieber. Mit den Kindern dauert das zwar etwas länger als die angegebenen 15 Minuten, aber mit einem Zwischenstopp auf Cortado/Cola und ein Croissant kommen wir dann tatsächlich in der Altstadt an.
Die kleinen engen Gässchen sind sehr niedlich, aber stellenweise auch recht verfallen und unbewohnt. Die Kathedrale wirkt von innen bei weitem nicht so imposant wie sie in Filmen dargestellt wird, aber das ist ja filmerische Freiheit.
Wir setzen uns auf den Vorplatz der Kathedrale und schauen zu wie die Pilger nach ihrer Wanderschaft am Ziel ihrer Reise ankommen. Es ist schon beeindruckend, wie manche ausgezehrten Gestalten nach vielleicht 2 Monaten Wanderung das Ziel Ihrer Träume, die Kathedrale, sehen. Jubeln, sich mit anderen Pilgern um den Hals fallen, sich einfach in die Sonne legen und gucken. Die Magie hinter diesen Dingen können wir vielleicht nicht begreifen, aber eindrucksvoll ist es schon.
Nach einem kleinen Nachmittags-Snack laufen wir wieder zurück zu unserem Zeltplatz. Außerhalb des Altstadtkerns hat die Stadt noch etliches an interessanter Architektur zu bieten, was man sich ohne Kinder sicherlich auch näher angucken könnte... Wer weiß, vielleicht ein anderes Mal.

12.09. Nationalpark Soniedo, Páramo del Sil

Der Urlaub nähert sich nun leider fast dem Ende zu und wir müssen uns mit der Rückreise auseinandersetzen. Da der Wetterbericht für die Nordküste jetzt deutlich besser aussieht, wollen wir noch einmal die Picos in Angriff nehmen. Wir fahren auf der Autobahn Richtung Leon und wollen einen Zwischenstopp im NP Soniedo machen.
Wir finden auch ein schönes Wildcamp an einem großen staatlichen Grillplatz mitten im Wald am Rio do Sil. Wir suchen etwas Holz, machen Feuer, sitzen um die Feuerschale und grillen Brot. Es ist schön zu sehen, wie so etwas "urtümliches" auch bei Kindern für Begeisterung und Entspannung sorgt.
Gegen 1 Uhr kommt auf einmal die Polizei vorbei und sagt, dass wir das Feuer doch ausmachen sollten und entschuldigen sich fast noch für die Störung. Da wir sowieso ins Bett wollen, stört uns das auch gar nicht. Wildnis ist aber eben relativ - irgendjemand wird uns wohl verpfiffen haben.

13.09. NP Picos de Europa

Die Fahrt führt uns heute durch karge, karstige Hochgebirgslandschaft bis an die Küste zum NP. Hier sieht es nun gar nicht mehr spanisch aus. Ob das nun Tirol oder Nordspanien ist, wüsste man vom hinschauen nicht zu sagen - bloß dass auf einmal der Atlantik neben der Autobahn auftaucht. Wir haben uns auf einem Zeltplatz in Soto de Cangas (Camping Covadonga) einquartiert und wollen morgen eine kleine Wanderung durch machen.

14.09. Arenas de Cabralles

Teures und gar nicht so gutes Essen in der empfohlenen Gaststätte... Wecken gegen halb 10, Abfahrt halb 1 in Richtung Picos. Gletscherseen wurden gestern Abend einstimmig abgewählt. Mit einem vierfachen Prost.
Der Himmel ist bewölkt, aber die Picos sind und uns diesmal gnädig gesinnt. Wir fahren bis nach Poncebos, stellen den Bus ab und wandern los. Mascha kommt gleich in die Kraxe, weil der Weg doch anspruchsvoll ist, schottrig und stellenweise eng. Nach ca. 200 Höhenmetern drehen wir wieder um und gehen unten auf dem Versorgungsweg weiter. Der ist schön breit, nicht zu steil und auch nicht allzu nahe dem Abgrund. Die Schlucht ist hier bis zu 2000m tief, laut Reiseführer. Es lässt sich schön laufen und die Sonne brutzelt ganz schön. Mascha ist nach kurzer Zeit eingeschlafen, Martin wandert voraus und ich unterhalte mich die ganze Zeit mit Nina über die Berge, Schmetterlinge, die dann doch Zirpen (Grashüpfer) sind und wie schön es wäre, wenn wir die bei uns zu Hause hätten und wen sie am Meisten vermisst. In den Kindergarten will sie nicht wieder, aber ihre Edda hätte sie ganz gern dabei. Wenn das so einfach zu zaubern wäre.
Die Landschaft ist spektakulär, hier kann man ganz sicher tolle Wanderungen machen, mit unterschiedlichstem Schwierigkeitsgrad. Nach 3h beenden wir unsere Wanderung mit Cola und Eis für jeden und Mascha wird dazu auch pünktlich wach.
Eigentlich wollten wir noch mit der Standseilbahn nach Bulnes fahren (das letzte spanische Dorf ohne Straßenanschluss), aber das ist uns einfach zu teuer (20€ pro Nase).
Wir finden in Cabralles einen netten Zeltplatz, duschen alle mal wieder, grillen was und planen die nächsten, leider letzten vier Tage durch. Und pünktlich zum Abend fängt es dann doch an zu regnen. Danke Picos :-)
Es soll nochmal Comillas werden, den Atlantik abgrüßen, davor noch etwas westlich die Bufones de Santiuste (zwischen Buelna und La Franca) anhören und dann zurück nach Barcelona.

15. - 19.09. Comillas, Zaragosa, Barcelona, Dresden

Es kommt wie gedacht - wir verbringen noch ein paar Tage in Comillas, hören uns die Bufones an (Schade, dass wir bei Ebbe da waren), nehmen Zaragosa als Zwischenstopp (eine komische Satellitenstadt scheinbar mitten in der Wüste, heiß und unheimlich viel Wind, aber wohl mit einer schönen Altstadt die wir nicht beachtet haben), beachen noch einmal in Barcelona und dann fliegen die Mädels wieder zurück nach Dresden.

Schlusswort:

Erwartungen an den Urlaub nach unserem Trip vor 10 Jahren: alles schön grün - quasi spanienuntypisch, damit einhergehend auch mal Regen ("Täglich türmen sich dunkle Wolken ..." Marco Polo), imposante Landschaft.
Dazu kommt unsere allgemeine Erwartungshaltung an einen schönen Urlaub: Wandern, Baden, Städte angucken, rumlungern, Reihenfolge egal ;-)
Diese Erwartungen wurden zu 100% erfüllt.
Fakt ist, dass es diesmal mit dem Bus im Vergleich zu Motorrad und Zelt deutlich entspannter war, ein paar Regentage auszuhalten...

Highlights: die Pyrenäen, Picos de Europa, Landschaft und Strände im Nordwesten, Santiago de Compostella, Tapas, Café, Wein

Fazit: in dieser Ecke von Europa kann man locker 4 Wochen Individualurlaub machen, ohne dass es langweilig wird. Mit ein bisschen mehr Interesse für Bergsteigen, Wellensurfen, Kultur, Architektur und Shopping darf der Aufenthalt gern auch deutlich länger sein ;-)
Also: mal hinfahren und angucken - es lohnt sich!