14 Tage in Mallorca - ein Urlaub mal so ganz anders für uns

14. – 27. 04.2007 - von Martin und Kati

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Hola,
nun sitzen wir am Busbahnhof in Port de Pollenca und warten auf unseren Bus nach Palma. Dort haben wir noch zwei Nächte und dann ist unser „vorgeburtlicher“ Urlaub auch schon wieder vorbei. Unsere Spanischkenntnisse konnten wir nur sporadisch anwenden, dafür können wir jetzt wieder besser englisch.

Aber fangen wir mal von vorn an.
Unsere Motivation für dieses Reiseziel resultierte aus folgenden Überlegungen: wo kann man Ende April im spanischsprachigen Raum, relativ sonnensicher, überschaubar viel interessanter Gegend mit kurzer Anreisedauer Individualurlaub machen – sprich auf eigene Faust am besten mit öffentlichen Verkehrsmitteln Land und Leute kennen lernen? Mallorca ist da vielleicht nicht der nahe liegendste Gedanke aber nach ein paar Vorabrecherchen zeigte sich, dass unser Vorhaben auch auf dieser tourismusattackierten Insel machbar ist. Unser Hostal in Palma buchten wir zu Hause übers Internet. Bei der Vorrecherche stellten wir fest, dass die Insel kein Billigurlaub wird. Doppelzimmer mit Bad ab 40 Euro, in Palma ab 60 Euro. Dafür konnten wir ein 15 qm großes Zimmer ohne Fenster beziehen. Wer weiß was man für 40 Euro bekommen hätte.

Als wir am 14. April in Palma ankommen, regnet es erst mal wie verrückt. Da unser Hostal in der Hauptkneipengegend in der Altstadt liegt, können wir uns trotzdem gut die Zeit vertreiben. Die Preise in den Kneipen variieren stark, je nachdem welches Publikum erwartet wird: klein, laut bis sehr laut ist billig und von Einheimischen besucht, nobelpoblig ist teuer und wird von Touristen angesteuert.

Am Sonntag (15.4.) regnet es fast nicht mehr und wir machen einen langen Spaziergang durch den östlichen Teil der Stadt, inklusive Besichtigung einiger Spots (Kathedrale, altes Rathaus). Lässt man die Altstadt hinter sich, schreit die Architektur oftmals nach Abrissbirne. Hier konnte offenbar jeder bauen wie er wollte. Den Inselbauern ist das wohl auch bewusst, denn besagte Abrissbirnen waren schon häufig im Einsatz. Die Stadt erinnert uns ein bisschen an Südamerikas Großstädte: zwischen sehr gut restaurierten Altbauten stehen verfallene Häuser und vielgeschossige Neubauten.


Blick über den Hafen von der Terrasse unsere Hostals

Kathedrale von Palma
Kathedrale von Palma

Am nächsten Tag (Montag, 16.4.) laufen wir in Richtung Westen zum Castell de Bellver. Dabei kommen wir an einem der vielen Yachthafen vorbei und aus dem Staunen nicht mehr raus. Wir haben zwar keine großen Bootskenntnisse aber hier liegt sicher ganz viel Geld im Wasser. Das Castell selbst ist für uns mäßig interessant aber als Ziel für einen Tagesausflug zu Fuß allemal gut. Auf dem Rückweg laufen wir die Tourismusinformation an, um unser weiteres Vorgehen zu planen. Dort bekommen wir aber lediglich den Busfahrplan für die gesamte Insel. Etwas über Unterkünfte in den einzelnen Städten kann man uns nicht sagen. Auf die Fragen nach dem nächsten Internetcafé das gleiche Schulterzucken, obwohl sich ca. 300 Meter weiter eins befindet! Naja, dann heißt es sich selbst zu informieren. Wir suchen uns ein Zielgebiet aus, das gemäß Reiseführer schön sein soll und wo auch ein Bus hinfährt. Die Wahl fällt auf Port de Pollenca. Wir buchen per Internet für die nächsten fünf Tage ein Zimmer ein einem kleinen Hostal.


"Aufstieg" zum Castell


Palma von oben

Die Busüberfahrt nach Port de Pollenca am Dienstag (17.4.) ist unspektakulär. Wir fahren ca. eine Stunden und sind so einmal quer über die Insel gekommen. im Bus nach Port de PollencaDas Städtchen liegt in der Bucht von Pollenca und ist auch ausschließlich vom Tourismus geprägt. Trotzdem fehlen hier die ganz großen Hotels, was das Ganze noch etwas einfacher bzw. schlichter erscheinen lässt. Die Gegend hier ist fest in britischer Hand und so sind auch die Betreiber des Hostals allesamt ausgewanderte Briten. Das Zimmer ist gut mit „nice view on the mountains“, der Strand ist in drei Minuten zu erreichen. Ian, der Chef vons Ganze erklärt uns, dass es in der hostaleigenen Kneipe das billigste Bier der ganzen Stadt gibt und die Leute machen einen netten Eindruck. Hier können wir gern bleiben!

Port de Pollenca
Port de Pollenca


eigenartige Schnapsvorräte zum Verkauf

Die nächsten Tage verbringen wir mit lesen, am Strand rumsielen, ein paar Wanderungen in das Tramuntanagebirge, essen und feiern. Da sich in der Hostalkneipe allabendlich weitere Exilbriten treffen, kommen wir nun doch noch mit Einheimischen in Kontakt ;-) Und mit den Leuten zusammensitzen, trinken und erzählen ist ganz schön lustig (selbst für Kati, die nichts Alkoholisches trinkt). Vor Lachen gab es manchmal feuchte Augen und Bauchschmerzen.

Cala Boquet
Cala Boquet


inklusive Ziegen, die ...


... harmlose, hungrige Touristen belagern und ...


wahrscheinlich alles essen.


eiskaltes aber klares Wasser in der Bucht

abends im Garten vom Hostal Paris
abends im Garten vom Hostal Paris

Am Freitag (21.4.) mieten wir uns ein kleines Auto, um noch etwas mehr von der Insel zu sehen. Wir fahren immer kreuz und quer durch das Gebirge zum Kloster Lluc, weiter nach Port de Soller an die Ostküste und wieder zurück nach Port de Pollenca. Auf den Straßen der Insel treiben sich Unmengen von Radfahrern rum. Manche fahren wirklich engagiert, die meisten wirken in ihren bunten Sportanzügen und auf den High-Tec-Rennrädern etwas fehl am Platze. Das Gebirge ist ca. 1400 Meter hoch und um diese Jahreszeit ist alles noch grün und so kann man von steilen Serpentinen schon mal den einen oder anderen Blick auf das Meer und schroffe aber begrünte Hänger erhaschen. Aber auch hier gilt: jeder Meter motorisiert zugänglicher Strand ist touristisch erschlossen oder privat. Das Gleiche gilt für Port de Soller. Aber trotzdem ist es landschaftlich schön. Als wir dann auf unsere Fahrt über kleine, hügelige und kurvige Straßen die Ostküste erreichen, gibt es die richtige architektonische Katastrophe zu bewundern. Hier stehen die Hotelburgen in mehreren Reihen hintereinander am Strand und das ganze kilometerweit. Bloß weg hier. Als wir wieder im Hostal sind und die Erkenntnisse des Tages setzen lassen, stellen wir fest, dass weiteres Rumreisen auf der Insel für uns keine neuen Erkenntnisse bringen wird. Daher verlängern wir unseren Aufenthalt im Hostal bis kurz vor Ende unseres Urlaubes. An diesem Abend gibt es daraufhin eine geballte Ladung britischen Humors inkl. Hitlerimitationen, Witze über Radfahrer und jeder Menge Selbstironie – da sage noch mal einer die Briten seien nicht lustig.

Cap Formentor
Am Cap Formentor, dem meist fotografierten Motiv von Mallorca. Warum auch immer.

Kloster Lluc
Kloster Lluc


die Ostküste!

Am Mittwoch (25.4.) fahren wir nach Palma zurück und gehen am gleichen Abend noch in den Cirque de Bouffon (sehr gut gemachte und hautnah erlebbare Musik, Artistik und Humor – absolut empfehlenswert) – das sind die positiven Seiten der Tourismusinsel.

 

Fazit: die Insel ist sehr schön. Da das Millionen anderer Urlauber auch so sehen, ist man nirgends allein und die Landschaft oftmals komplett touristisch zerstört. Vielleicht kann man die Natur bei Wandertouren durch das Tramuntanagebirge besser genießen. Das konnten wir dieses Mal aber nicht ausprobieren. Wahrscheinlich ist es aber eher so, dass sich die Wanderfreunde genau wie die Radfreunde über den Haufen rennen. Mit der Wahl unseres Hostals in P.d. Pollenca hatten wir Glück. Dadurch gab es interessante Einblicke in die britischen „Kolonien“ auf der Insel und lernten auf ganz unerwartete Art und Weise „Land und Leute“ kennen.

Ob wir allerdings noch einmal hier her fahren ist fraglich.
Es ist uns einfach zu voll.