La Palma - la Isla Bonita
(07.02. - 18.02.2006)
geschrieben von Martin B., "verfeinert" von Kati F.

07.02.
Start um 5.55 Uhr in Dresden. Jan hat sich bereit erklärt, uns zu dieser unchristlichen Zeit und bei Schneesturm zum Flughafen zu fahren. Nach ein paar Problemen beim Gepäck einchecken (bei mir wurden Feuerzeuge im Rucksack gefunden, die mussten entfernt werden), ging es über München nach La Palma.
Vom Flughafen sind wir mit dem Bus in die Hauptstadt Santa Cruz de la Palma (S/C) gefahren und haben uns erst mal in eine Kneipe gesetzt.
Nach Cafe con leche, Bocadillo und Cerveza ist uns gleich nach Urlaub zu Mute. Nach einigen Irrungen (der Reiseführer ... war nicht auf auf dem neusten Stand) haben wir dann eine kleine, nette Pension gefunden, wo wir ein paar Tage bleiben können. Erst mal richtig ankommen.
Nach einem kleinen Abendbrot in einer venezuelanischen Kneipe ist der lange Tag dann vorbei.

08.02.
Ein langes ausgedehntes Frühstück startet den Tag und wir machen ein paar Erkundungen bezüglich der von Martin geplanten Aktionen: Permit für den Nationalpark Caldera de Taburiente
(großer Naturkessel, Umfang von 28 km, Durchmesser von 8 km, die Wände der Caldera erreichen eine Höhe von über 2000 Meter), wie kommt man dahin usw. Es ist wie so oft: je mehr Leute man befragt, desto widersprüchlichere Aussagen erhält man. Aber das wird sich sicher alles klären.
Am Nachmittag machen wir noch eine kleine Wanderung im Umland von S/C und dann ist der Tag auch schon vorbei.
 

09.02.
Es pisst den ganzen Tag. Es ist trotzdem relativ warm, 15 Grad, aber nach einem erfolglosen Gang zum "Umweltministerium" (die konnten trotz Reiseführeraussage kein Permit zum Nationalpark ausstellen) bleiben wir im Bett und lesen.

10.02.
Heute ziehen wir weiter nach El Paso. Dort ist das "Centro de Visitantes", wo es auch das begehrte Permit zum Nationalpark geben soll. Wir fahren bei schönsten Sonnenschein in S/C los und nach wenigen Kilometers auf ca. 1000m Höhe fängt es an zu regnen. Der Bus lässt uns beim Centro (1400m) raus und dort ist kalt, nebelig und ab und zu regnet es wie verrückt.
Der Ranger an der Information erklärt uns, dass der Nationalpark wegen der anhaltenden Regenfälle, Steinschlag und Erdrutschen aus Sicherheitsgründen geschlossen ist. Das ist aber gar nicht so schlimm, denn bei diesem Wetter wollen wir sowieso nicht campen und supertolle Naturerkundungen machen.
Also müssen wir weiter fahren. Nach Aussage von Reiseführer und einigen Leuten ist an der Westküste immer besseres Wetter. Daher machen wir uns auf nach Puerto de Tazacorte. Dort ist tatsächlich eitel Sonnenschein, aber es ist schwierig eine
Unterkunft zu finden. Außer einer Oma (abuela mala), die uns über den Tisch ziehen will, lässt sich nichts finden. Mittlerweile sind wir schon ziemlich genervt und fahren wieder zurück nach Los Lllanos ins Landesinnere. Dort war zwar auch schlechtes Wetter, aber es soll wenigstens Unterkünfte geben. Nach ein bisschen Sucherei finden wir auch ein relativ billiges Hotel, wo wir bleiben können. Diese Entscheidung stellte sich im Nachhinein als richtig raus, denn Los Llanos ist eine kleine quirlige Stadt mit einigen schicken Kneipen und einem Hauch Großstadtflair. Hier ist es wirklich nett.

 


Blick aus unserem Hotelzimmer

11.02.
Da das Wetter heute schön ist, machen wir eine Wanderung zum Eingang des NP. Caldera de Taburiente, um zu sehen, ob der Ranger Recht hatte (Park unzugänglich, Wege nicht sicher). Der Zugang zum Park verläuft an einem Fluss, der normalerweise bloß ein Rinnsal ist. Jetzt ist der Fluss angeschwollen, dass es wahrscheinlich mehr als einmal nasse Füße gegeben hätte. Da es auch prompt anfängt zu regen, lassen wir alle Ambitionen auf einen ausgedehnten NP-Besuch fallen. Anstelle dessen wollen wir die "Königsroute" machen, eine zweitägige Trekkingtour im Norden der Insel.

Strelizien

12.02.
Da heute kein Bus in den Norden fährt, lassen wir uns in Puerto de Tazacorte ein bisschen von der Sonne verbrennen, laufen auf einen Aussichtspunkt über der Stadt und lesen.

Kati guckt in der Weltgeschichte rum

Hafen von Tazacorte

13.02.Osterküken
Nachdem wir alles Notwendige für unsere Königsroute (Wasser, Tütenfutter, Bier, Wein) eingekauft haben, wollen wir in den Norden nach Santo Domingo de Garafia. Der Norden ist der ärmlichste Teil der Insel und die Busverbindungen sind auch recht spärlich. Wir haben aber Glück und können mit einem Linienbus nach Las Tricias und von dort aus mit einem Schulbus nach Santo Domingo weiter fahren.
15.30 Uhr starten wir unsere Tour mit Sack und Pack und gesamten Hausrat auf dem Rücken.
Die Strecke führt nach Barlovento, ist ca. 30km lang und wird als "ohne nennenswerte Höhenunterschiede" beschrieben. Die Dauer ist mit 9,5 Stunden angegeben. Das sollte wir also in 2 Tagen schaffen.
Gleich zu Anfang verlaufen wir uns, weil offensichtlich ein Hinweisschild fehlte und wir uns mit der Markierung der Wanderwege noch nicht so recht auskennen. Mit Hilfe von Karte, GPS und etwas Verstand finden wir die richtige Route wieder, laufen noch bis 18.30 Uhr und bauen nach einer kleinen Auseinandersetzung mit einem Wachhund unser Zelt in bester Lage mit Meerblick auf einer Wiese auf.
Wir sind ca. 8km gelaufen, aber eben nur 2km davon in die richtige Richtung ... Der Weg ist nicht sonderlich schwer, aber wir werden wohl doch länger als 2 Tage brauchen. Na was solls, wir habe genug zu essen mit und Wasser wird sich auch finden lassen. Nach einem Abendbrot unter Sternen und langen Gesprächen verkrümeln wir uns in unsere Schlafsäcke. Fazit: 8km, 3h

14.02.
Aufstehen, Frühstücken, Packen - 11 Uhr gehts los. Wir haben das Tourziel Barlovento fallen gelassen und wollen bis kurz vor Gallegos kommen. Ab dort fahren dann wieder Busse nach S/C.
Der Weg wird immer schwieriger. Schmale Geröllpfade unterschiedlichster Steigung wechseln sich mit kurzen Geradeaus-Etappen ab. Das Schlimmste ist aber: Barrancos!!! Zu deutsch: Schlucht, Abhang! Das sind Täler vulkanischen Ursprungs, die von ca. 400m auf nahe Meershöhe abfallen, um dann genauso steil wieder aufzusteigen. Das bedeutet enge Geröllserpentinen runter und wieder rauf und das Ganze mit 25kg (Martin) und 15kg (Kati) auf dem Rücken. Da braucht man schon mal eine Stunde für den Abstieg und eine für den Aufstieg... Und das zehrt an den Kräften und an der Motivation.

Nach dem letzten Barranco an diesem Tag kurz vor Toblado werden wir von einem sinnflutartigen Regen überrascht und sind in kürzester Zeit nass bis auf die Knochen. Keine Zeit für Regenjacke und Rucksackhülle. Man hätte wohl die Wolken über dem Atlantik häufiger und besser beobachten sollen.
Wir flüchten in einen Hühnerstall (die Hühner sind voller Widerspruch gackernd in den Regen abgehauen, es war auch kein Platz mehr, entweder die oder wir) und auf einmal kommt der Hühnerstall besitzende Bauer um die Ecke. Wir befürchten schon das Schlimmste, aber er lacht nur. Wir fragen ihn ob es irgendeine Unterkunft in Toblado gibt und wir haben Glück. In dem kleine Dorf gibt es eine Art Casa de Familia wo wir unterkommen können. Da heute an Weiterkommen nicht mehr zu denken ist, es regnet immer noch, mieten wir uns ein. Wir bekommen von der Vermieterin sogar noch etwas Warmes zu essen.
Die Stimmung ist auf dem Nullpunkt. Scheiß Barrancos, Schweiß Wetter und überhaupt. Keine nennenswerten Höhenunterschiede und das Ganze in 9,5h! HA! Im nächsten Urlaub fahren wir mit dem Motorrad, geben uns noch mal richtig die Regenpeitsche und danach wird ein T4 mit Allrad gekauft. Schluss mit schön autark reisen und son Quatsch! So.
Draußen ist Sturm und es regnet wie verrückt und wir bedanken uns noch mal bei unserem Glück, den Hühnerstall-Bauern gefunden zu haben, der uns die Unterkunft weisen konnte.
Wie es weiter gehen soll, wollen wir morgen klären. Fazit: 9km, 7h


DER WEG!


Motivation pur :o)

15.02.
Am Morgen scheint doch tatsächlich wieder die Sonne. Martins Laune hat sich gebessert und er hat sich auch gut erholt. Ich will am liebsten gar nicht mehr, doch Martin kann mich überzeugen, dass wir den Rest der Strecke nach Gallegos noch laufen. Es liegen noch 4 Barrancos und ca. 11km vor uns.
Das Wetter ist schön und die kommenden Ab- und Aufstiege sind nicht mehr so hart. Außerdem hat sich ein gewisser Trainingseffekt eingestellt, sowohl in der Motorik (ich muss nicht ständig beim Aufstieg beim komplettes Gewicht in den Berg stemmen, um nicht rückwärts wieder runter zu rutschen) als auch in der Kondition. Martin kann die schicke Landschaft (zerklüftete grüne Berge und immer in Sicht der Atlantik) genießen. Ich konzentriere mich dann doch mehr auf meine Füße. Sicher ist sicher.
Beim Abstieg in die letzte Schlucht teilen sich die Gefühle ganz stark. Bei Martin stellt sich ein Hochgefühl ein: wir haben es geschafft, gleich zumindest. Und bei mir ist der Riemen runter, ich hasse Abstiege, meine Knie tun langsam weh und ich frage mich nach dem Sinn dieser Aktion. Es ist ja nicht damit erledigt, dass man unten ist, man MUSS wieder hoch, weil auf dem Gipfel das blöde Dorf liegt :o(
Ca. 18.30 Uhr sind wir dann in Gallegos. Wir würden gern wieder eine Unterkunft nehmen, aber hier gibt es keine. Also kaufen wir uns ein paar Bier und Wein, laufen ein Stück aus dem Dorf raus und bauen unser Zelt hinter dem Sportplatz auf. Wir haben wieder einen faszinierenden Sternenhimmel beim Abendbrot, der Sigg Firejet spielt noch lautstark Heizung, war haben knapp 8 Grad und gehen gegen 22 Uhr ins Bett. Fazit: 12km, 8h


DAS Höhenprofil "Camino Real de la Costa": Der GR 130 verläuft größtenteils auf den alten Wegen, die einst die Ortschaften miteinander verbanden. Sie wurden früher benutzt, um kürzere Strecken zurückzulegen (Halbtagesmärsche). ... Ohne größere Steigungen verläuft er durch die wichtigsten Ortschaften.

16.02.
Wir packen unseren Krempel ein und fahren mit dem Bus von Gallegos nach Santa Cruz. Wir haben schon vorher telefonisch eine Unterkunft gebucht, die wir dann 13 Uhr beziehen.

 Die letzten beiden Tage verbringen wir mit chillen, essen, shoppen, sitzen und gucken.

 
unsere Unterkunft "La Fuente"

Die Wanderung auf der Königsroute war sehr anstrengend, aber schön und mittlerweile bin auch stolz darauf. Mit etwas mehr Erfahrung bzw. Information hätte man das Ganze mehr genießen können. Aber das wird vielleicht beim nächsten Mal :o)